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Interview mit Prof. Dr. med. Joachim Volz & PD Dr. med. Stefanie Volz-Köster

1. Wann und wo sind Sie beide sich zum ersten Mal begegnet?

Prof. Volz: Wir haben uns vor rund 25 Jahren kennengelernt. Ich habe zuvor meine Facharztausbildung an der Universitätsfrauenklinik in Ulm gemacht und bin 1992 Oberarzt im Mannheimer Universitätsklinikum geworden. Dort hat meine Frau im selben Jahr ihre erste Stelle als Assistenzärztin begonnen – so sind wir uns zum ersten Mal über den Weg gelaufen.

Dr. Volz-Köster: Mein Mann ist ein bisschen älter als ich und war mit dem Studium natürlich schon lange fertig.

Prof. Volz: Was man mir natürlich nicht ansieht.

Dr. Volz-Köster: Natürlich nicht (lacht).

2. … und Sie haben sich direkt ineinander verliebt?

Prof. Volz: So ungefähr. Wir haben uns vor allem durch die Arbeit schätzen und lieben gelernt

Dr. Volz-Köster: Es gab zwei Ebenen: Das ist natürlich eine emotionale Ebene gewesen, aber sicher auch eine fachliche. Man hat bei uns schnell gespürt, dass wir einen ähnlichen Arbeitsstil haben. Das hat einfach von Anfang an gepasst.

Prof. Volz: Als ich Oberarzt an der Klinik war, war mein Ziel ganz klar die Habilitation. Um Professor zu werden, muss man natürlich auch viel neben der normalen Routinearbeit leisten und vor allem Forschung betreiben – und dazu gehörten damals auch Tierexperimente mit Schweinen. Eine meiner ersten Erinnerungen an meine Frau war, dass wir zusammen die Schweine durch den Stall getrieben, eingefangen und operiert haben. Das war eine unvergessliche Zeit und hat uns natürlich auch zusammengeschweißt.

3. Bestand damals schon die Idee zu der gemeinsamen Kinderwunschklinik?

Prof. Volz: Überhaupt nicht. Wir hatten ursprünglich eine ganz andere Karriere geplant: Forschung und Habilitation … und am besten einen Ruf an einer Uniklinik. Das war unsere Vorstellung. Wir haben damals in einem Bereich gearbeitet, der sehr praktisch war, aber auch sehr neu: die Minimal-invasive Chirurgie. Die wurde damals quasi erfunden. Zusammen haben wir viele OPs neu entwickelt. Das war für uns eine ganz innovative Zeit. Die Minimal-invasive Chirurgie war damals unser Ding. Bevor man sich an Menschen traut, haben wir angefangen, Schweine zu operieren, wir haben neue Instrumente entwickelt und immer zusammen operiert. Meine Frau hat mir jahrelang bei den Operationen assistiert. Deswegen ist sie auch so gut (lacht). Wir haben damals OPs gemacht, da erzählen wir heute noch von. Beispielsweise haben wir beide in unserer Region die erste Gebärmutterentfernung per Bauchspiegelung gemacht. Es gab eigentlich nur einen, der dieses Verfahren vor uns praktiziert hatte, und das war Professor Kurt Semm aus Kiel – eines unserer großen Vorbilder im Bereich der Gynäkologie. Von ihm haben wir auch einige Postkarten und Briefe bekommen, in denen er uns zu unseren Errungenschaften gratuliert hat.

Dr. Volz-Köster: Und mein Mann war meine größte Inspiration. Wir haben uns gesucht und gefunden. Später wollten wir ein Institut aufmachen, bei dem man sowohl die Kinderwunschtherapie, sprich Hormonbehandlung und künstliche Befruchtung, als auch die operative Kinderwunschtherapie miteinander verbindet. So können wir eine ganzheitliche Betreuung gewährleisten. Es gibt so viele Ursachen für eine Sterilität, aber nur in Kenntnis aller Methoden, konservativ und operativ, kann man optimal helfen.

Prof. Volz: Es gibt in Deutschland kaum Reproduktionsmediziner, die auch operieren. In der Kombination macht uns die Arbeit viel Spaß. Deswegen ist meine Frau, nachdem sie damals auch habilitiert hatte, in die Praxis gegangen. Aber immer mit dem Hintergedanken: Wir machen da was Umfassendes und Gemeinsames.

Dr. Volz-Köster: Ich bin seit 2002 auch Leiterin des Kinderwunschzentrums VIF in Viernheim in Südhessen. Das läuft die ganze Zeit schon wunderbar. Im selben Jahr ist mein Mann als Chefarzt ins Städtische Klinikum nach Bielefeld gegangen – dort gab es damals das Kinderwunschzentrum BIF, dessen Leitung er übernommen hat. Das BIF wurde allerdings vor fünf Jahren aufgrund von Umstrukturierungsmaßnahmen aus dem Klinikbetrieb herausgenommen. Da haben wir beide uns entschieden, das BIF außerhalb des Klinikums und unter dem neuen Namen FROG weiterzuführen.

4. Wie sind Sie beide jeweils dazu gekommen, sich in die entsprechenden Richtungen zu spezialisieren? Gerade in Bezug auf das Kinderwunschinstitut?

Prof. Volz: Als Assistenzarzt an der Universitäts-Frauenklinik Ulm, an welcher damals Pionierarbeit in diesem Bereich geleistet wurde, erlernte ich die Grundzüge dieser Spezialisierung. Danach war ich zwischen 1992 und 2002 Oberarzt an der Mannheimer Universitäts-Frauenklinik und gleichzeitig auch der Leiter der dortigen Kinderwunschsprechstunde – das war meine erste leitende Stelle in diesem Bereich. Und da ging es direkt los mit der Reproduktionsmedizin.

Dr. Volz-Köster: Dort, in Mannheim, im IVF-Institut habe ich 1992 auch meine Doktorarbeit geschrieben. Die ICSI-Behandlung und die Laparoskopie, auch Bauchspiegelung genannt, waren sehr spannende Methoden, die in den Neunzigerjahren noch relativ neu waren. Heutzutage haben sich diese Verfahren längst etabliert, aber damals musste man in dem Bereich noch richtig Forschungsarbeit leisten, was mir sehr gefallen hatte.

Prof. Volz: Und zusammen haben wir dieses relativ kleine Institut in Mannheim dann zehn Jahre lang betreut. Meine Frau ist in der Zeit auch Oberärztin geworden und hat habilitiert. Mit meiner Übernahme der Chefarztposition in Bielefeld wurde ich Leiter des Kinderwunschzentrums an der Rosenhöhe, damals eines der größten Institute in Deutschland. Ich war dort der vierte Chefarzt, der das Institut geleitet hat. Wir sind beide der Meinung, dass die Frauenheilkunde ein umfassendes Fach ist und auf drei Säulen aufbaut: Geburtshilfe, Gynäkologie/Onkologie und Reproduktionsmedizin – das ist ein System, das man nicht trennen sollte. Wir kombinieren alle drei Schwerpunkte, was sicher nicht so häufig vorkommt. Meine Frau hat darüber hinaus kürzlich erst den Schwerpunkt für die Pränatalmedizin gemacht – als eine der ganz wenigen in Nordrhein-Westfalen.

5. Inwiefern ergänzt und unterscheidet sich Ihre Arbeit?

Prof. Volz: Ich mache einige Dinge, die meine Frau nicht mehr macht. Ich bin als Leiter des Brustzentrums am EvK Lippstadt für die Onkologie verantwortlich. Was wir viel gemeinsam machen ist die Perinatalmedizin, also die gesundheitliche Versorgung von Schwangeren und Fötus kurz vor und nach der Geburt. Allerdings fängt diese bei uns schon mit dem Kinderwunsch an und nicht erst mit der Schwangerschaft. Denn oft gibt es verschiedene Gründe, die eine Schwangerschaft erschweren. Und genau da setzen wir bereits an – denn diesen Wunsch möchten wir unbedingt erfüllen, auch unter schwierigen Bedingungen.

 

6. Können Sie nach Feierabend abschalten oder nehmen Sie die Arbeit auch mit nachhause?

Dr. Volz-Köster: Die Arbeit kommt immer mit: Mit nachhause, mit in den Urlaub, überall hin. Aber das macht uns ja auch Spaß, das ist unser Ding. Wir reden immer über unsere Arbeit. Wenn abends mal fünf Minuten Ruhe am Esstisch sein sollte, sagt unsere Tochter zu uns: „Erzählt doch ein bisschen was über die Praxis, es ist so still“ (lacht).

Prof. Volz: Wir sprechen immer über unsere Patienten und diskutieren die Fälle durch. Das hört nie auf. Das macht aber auch nichts, denn wir empfinden das ja keinesfalls als störend. Es geht ja schließlich auch um etwas. Wir machen uns auch schon Sorgen um manche Patienten – denn es scheint ja leider auch nicht jeden Tag die Sonne. Da hat man schon die eine oder andere schlaflose Nacht. Und da ist es super, jemanden zu haben, mit dem man sich darüber austauschen kann, der einem zuhört, einen versteht und einem Ratschläge gibt. Wir leben in einem ständigen Austausch.

7. Sie arbeiten parallel noch am Ev. Krankenhaus in Lippstadt. Wie lässt sich das mit der gemeinsamen Praxis in Bielefeld vereinbaren?

Prof. Volz: Es ist schon so, dass wir eine extreme Verdichtung von Arbeit haben. Da kommt man schon manchmal an sein physisches Limit. Aber auf der anderen Seite sind wir schon so daran gewöhnt, dass wir das auch brauchen (lacht).

Dr. Volz-Köster: Aber Lippstadt erweitert natürlich auch unseren Horizont, da wir dort Dinge machen, die wir im FROG nicht machen können. Auch wenn wir in der Praxis in Bielefeld zwar operieren, operieren wir dort ja nun nicht auch jeden Fall. In Lippstadt kann ich dem Patienten noch mehr anbieten. Wir haben zahlreiche Patienten, die an Brustkrebs leiden, aber gleichzeitig so jung sind, dass sie gerne auch eine Kinderwunschtherapie machen würden. Und das ist in Lippstadt natürlich die ideale Kombination. Weil wir im FROG keine Brustkrebspatienten operieren – aber durchaus in Lippstadt. Es gibt viele Themen, die sich überschneiden. Wir nehmen die Patienten ja auch mit. Wir nehmen sie vom FROG mit nach Lippstadt und andersrum. Das ist Ergänzung und keine gegenseitige Konkurrenz.

8. Was ist das Tollste an Ihrem Job?

Prof. Volz: Wir haben zunächst einmal ein unfassbar tolles Team. Von der Rezeption bis zu unserem Reproduktionsbiologen – wir sind im FROG einfach exzellent aufgestellt und freuen uns jeden Morgen aufs Neue, in die Praxis zu kommen.

Dr. Volz-Köster: Eltern ihren Kinderwunsch zu ermöglichen, ist ein überwältigendes Gefühl für uns. Wir haben so viele Patienten, die durch das, was wir gemacht haben, richtig glücklich geworden sind. Die uns Jahre später noch Karten schicken mit Bildern von ihren Kindern. Und das macht uns einfach überglücklich.

Prof. Volz: Wir haben kürzlich eine Patientin gehabt, die seit 15 Jahren erfolglos versucht hat, schwanger zu werden – was wir jetzt endlich geschafft haben. Da ändert sich nicht nur das Schicksal eines Einzelnen, sondern das einer ganzen Familie, einer langen Reihe, die sonst beendet wäre.

Dr. Volz-Köster: Ich bin der Ansicht, dass wir in dem Fach, was wir praktizieren, eine andere Beziehung zu den Patienten haben, als zum Beispiel ein Hausarzt oder Chirurg. Wir sehen unsere Patienten im Extremfall zwei- bis dreimal pro Woche – und das ist emotional teilweise schon sehr bindend. Manche unserer Patienten sind bei uns jahrelang in Betreuung: Fürs erste Kind, fürs zweite Kind und manchmal sogar fürs dritte. Das baut schon eine besondere Beziehung auf.

Prof. Volz: Wir leben von den permanent positiven Rückmeldungen unserer Patienten. Denn diese sind unfassbar wichtig, sonst könnten wir diesen Job gar nicht machen.

9. Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn der Beruf mal nicht im Fokus steht?

Dr. Volz-Köster: Wir treiben zum Ausgleich viel Sport und joggen regelmäßig. Vor einigen Jahren haben wir beide auch einen Flugschein für Kleinflugzeuge gemacht. Da wir beruflich allerdings sehr eingebunden sind, bleibt dafür leider nicht sehr viel Zeit. Allerdingsist es vorgeschrieben, mindestens zwölf Stunden im Jahr zu fliegen, sonst müssten wir erneut eine Prüfung ablegen.

Prof. Volz: Ich spiele nebenbei noch Fußball mit meiner Truppe aus Heidelberg – und das seit ziemlich genau 40 Jahren. In derselben Konstellation. Mittlerweile spielt da auch schon der Nachwuchs mit, das ist dann natürlich eine richtige Konkurrenz. Mit ein paar Anästhesisten aus Bielefeld treffe ich mich auch einmal die Woche zum Fußballspielen.

10. Haben Sie selber Familie?

Dr. Volz-Köster: Wir haben zusammen fünf Kinder, darunter ein gemeinsames Kind. Unser Ältester studiert Medizin, unsere Älteste Frauenheilkunde, die Mittlere promoviert im Bereich Biotechnologie, unser Jüngster studiert Maschinenbau und unsere Kleinste wird später mal Bundeskanzlerin (lacht). Die hat einfach alles im Griff, inklusive uns.

11. Wie sieht ein erfolgreicher Abend bei Ihnen beiden aus?

Dr. Volz-Köster: Sport gehört immer dazu. Und wir kochen.

Prof. Volz: Meine Frau hat immer so Anfallsphasen, in denen sie vegetarisch-ökologisch kocht – wo wir dann zehn Jahre lang kein Fleisch essen und alles nur aus Natur und Körnern besteht (beide lachen). Doch aus zeitlichen Gründen landen wir auch gerne mal in einem Schnellrestaurant oder einer Imbissbude. Miteinander können wir übrigens überhaupt nicht kochen. Wir können stundenlang operieren, aber kochen geht nicht.

Dr. Volz-Köster: Wir können noch nicht mal Spaghetti zusammen kochen – da haben wir sofort Streit.

Prof. Volz: Denn wehe, ich mische mich irgendwo ein. Beim Kochen ist jeder auf sich allein gestellt.

12. Welchen Tipp können Sie an werdende Eltern geben, um Familie und Beruf gekonnt zu managen?

Prof. Volz: Man muss alles gut organisieren – wie im Beruf. Und man muss sich schon ein soziales Umfeld schaffen, denn so ganz alleine wird es oft schwierig. Heutzutage gibt es zwar überall Kitas und Ganztagsbetreuungen, aber die musste ich damals als Chefarzt des Bielefelder Klinikums auch erstmal einfuhren. Ich habe eine Kita für das Krankenhaus aufgebaut – das haben wir nur unserer Kleinsten zu verdanken. Denn in Bielefeld gab es das so vorher nicht.

Dr. Volz-Köster: Man muss ein emanzipiertes Paar sein. Diese typische Rollenverteilung funktioniert nicht. Es muss auch so sein, dass der Mann morgens das Kind in den Kindergarten bringt oder auch mal früher Feierabend macht, um es abzuholen. Du kannst als Frau nicht voll arbeiten, ohne dass dir der Mann mit den Kindern hilft. Es ist immer eine Beidseitigkeit. Es sollte eine gewisse Balance herrschen – und ist diese erst einmal erreicht, bekommt man Familie und Beruf bestens unter einen Hut.